Zur kurzfristigen Pandemie-Eindämmung bleibt oft nur der Total-Lockdown, wie wir ihn alle erleben mussten. Argument dafür ist der Schutz von Leben und Gesundheit. Häufig wird überdies ins Treffen geführt, vulnerable ältere Menschen vor dem Tod durch die Corona-Erkrankung schützen zu wollen. Parallel zu den strengen Maßnahmen stiegen jedoch international Selbstmordraten und der Ruf einiger Vereine nach Legalisierung der Tötung auf Verlangen wurde lauter. Was ist das Ziel unserer Gesellschaft – Leben oder Sterben helfen? Ein Blick ins Ausland mag aufschlussreich sein:

Niederlande – Mit Beruhigungsmittel in den Tod

Furchtbares wird aus den Niederlanden berichtet: Medien zufolge können Ärzte Euthanasiepatienten mit Demenz heimlich mit Schlaftabletten ruhigstellen, um zu verhindern, dass sie sich vor der Todesspritze wehren. Die niederländische Regierung hat neue Bestimmungen erlassen, die es Ärzten ermöglichen, die Getränke von Patienten mit Schlaftabletten anzureichern, bevor es zur „Sterbehilfe“ kommt. Die Regelungen sollen verhindern, dass Patienten vor ihrem geplanten Tod gewalttätig werden.

Dr. Marinou Arends wurde zuvor wegen Mordes verurteilt, da sie das Getränk einer Pflegeheimpatientin unter Drogen gesetzt hatte, bevor sie ihr die tödlichen Medikamente injizierte. Die Patientin litt an fortgeschrittener Demenz und war nicht mehr in der Lage, eine Einverständniserklärung über den Zeitpunkt ihres Todes abzugeben. Bevor sich ihr Zustand verschlechterte, hatte die Patientin den Medizinern mitgeteilt, dass sie sterben wolle, wenn „die Zeit reif ist“. Ein früherer Versuch, das Euthanasiemedikament zu verabreichen, war gescheitert, weil die Patientin sich gewehrt hatte und von einem Verwandten beruhigt werden musste. Der niederländische Oberste Gerichtshof entschied, dass Dr. Arends im Rahmen des Euthanasiegesetzes von 2002 gehandelt hatte, da sie die Frau vor ihrem Tod sedierte. Jacob Kohnstamm, Vorsitzender eines örtlichen Euthanasie-Komitees, sagt dazu: „Es sind nur zwei oder drei Fälle pro Jahr, aber die neue Regel könnte Ärzten helfen, weniger Angst vor einem Strafverfahren zu haben.“ Die Niederlande waren das erste Land in der Europäischen Union, das Sterbehilfe zuließ, die zunächst festgelegten Grenzen hielten nicht.

Japan – Suizide stiegen bei Frauen und Älteren

Während der globalen Pandemie stieg die Suizidrate in Japan massiv an, wobei sich der Anteil von Frauen im historischen Vergleich erhöhte. Laut Informationen der WHO hatte Japan lange Zeit ohnehin mit einer der höchsten Suizidraten der Welt zu kämpfen. Im Jahr 2016 lag die Selbstmord-Sterblichkeit bei 18,5 pro 100.000 Menschen, und damit nach Südkorea im westpazifischen Raum am zweithöchsten. Weltweit liegt dieser Wert bei 10,6. Während die Gründe für Japans hoher Selbstmordrate komplex sind, werden lange Arbeitszeiten, Schuldruck, soziale Isolation und ein kulturelles Stigma in Bezug auf psychische Gesundheitsprobleme als Faktoren genannt. Überdies kann die geringer werdende Kaufkraft eine Rolle spielen, die Folge der massiven Überschuldung des Landes ist.

Im letzten Jahrzehnt war die Zahl der Suizide auf etwa 20.000 zurückgegangen – die niedrigste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Pandemie scheint diesen Trend aber umgekehrt zu haben. Vom Anstieg der Selbstmorde waren Frauen überproportional betroffen, obwohl sie insgesamt einen geringeren Anteil ausmachen als Männer. Im Oktober nahmen die Zahlen bei Frauen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 83% zu. Ein Grund könnte sein, dass Frauen verstärkt in der Hotel-, Lebensmittel- und Einzelhandelsbranche und dazu in Teilzeit arbeiten – Entlassungen haben sie schwer getroffen.

Schockierend ist auch, dass sich Menschen in Pflegeheimen vermehrt für Sterbehilfe entschieden, obwohl gerade sie andererseits vor dem Tod (durch Corona) geschützt werden sollen. Als Grund werden der weitere Lockdown und die damit einhergehenden Beschwerlichkeiten genannt.

Kanada – Sterbehilfe im Altersheim

Folgendes ereignete sich in Toronto: Die 90-jährige Nancy Russel starb vor einigen Monaten aufgrund verlangter Sterbehilfe. Nancy Russel wurde als sehr offener, neugieriger und wissbegieriger sowie lebhafter Mensch von ihrer Familie beschrieben. An ihrem Sterbetag war sie umgeben von ihrer Familie und ihren Freunden. Diese Situation war das Gegenteil der Szenarien der vergangenen Monate, welche von Isolation und Einsamkeit geprägt waren. Aufgrund der COVID-Pandemie waren in Kanada Besuche in Pflegeeinrichtungen nur begrenzt und meist gar nicht möglich. Persönliche Interaktionen waren während des Lockdowns untersagt und die Mahlzeiten mussten in abgegrenzten Schlafzimmern zugenommen werden. Soziale Zusammenkünfte und Feiern gab es nicht. Ältere Menschen fühlten sich dadurch einsam und allein gelassen. Leider resultierte aus der Einsamkeit der verstärkte Wunsch sterben zu wollen.

Sensibilität und Hilfe

Gerade beim Thema Euthanasie sollte äußerste Sensibilität angebracht sein. Nach dem christlichen Menschenbild soll den Alten und Schwachen in der Gesellschaft Mut zum Leben gemacht und größtmögliche Unterstützung entgegengebracht werden. Die dramatischen Entwicklungen im Ausland zeigen große Problemfelder auf, welche wohl nicht durch den Tod zu lösen sind. Ein sinnvolles Motto lautet „Helfen statt Töten“.

 

Quellen:
Daily Mail By Darren Boyle for MailOnline11:09 21 Nov 2020: Dutch doctors allowed to sedate euthanasia patients before their death (dailymail.co.uk)

CTV News, November 19, 2020: Facing another retirement home lockdown, 90-year-old chooses medically assisted death | CTV News

CNN News By Selina WangRebecca Wright and Yoko Wakatsuki, November 30, 2020: In Japan, more people died from suicide last month than from Covid in all of 2020 – CNN

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